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Maultaschen mit Fleisch-Spinat-Füllung fertig in 1 Std. 15 Min. |
Die Alpen-Cowboys
Vor zwei Jahren machte sich ein junger Fotograf namens Nicolò Degiorgis auf den Weg in den deutschsprachigen Teil der italienischen Alpen, nach Steinegg bei Bozen. „Ich hatte von Kleinbauern gehört, die sich als Cowboys beziehungsweiseIndianer verkleiden. Meine Neugierde war geweckt“, erzählt der heute 25-Jährige.
Seine erste Begegnung war ein Reiter in Cowboyhosen, der ein Lasso bei sich trug und ihn nur knapp grüsste. Elmar Schoffeneger, ein Mittvierziger mit dichtem Bart und Südstaatenmütze, war da schon freundlicher. Er pflügte mitseinem Ochsen das Feld um, als Degiorgis eintraf, machte jedoch eine Pause, um dem jungen Mann ein Glas Birkenwasser anzubieten. Der leicht süsse Saft wird im Frühjahr aus Birkenstämmen gewonnen.
Degiorgis sagte, dass er Fotos machen und die übrigen Wildwestfans des Dorfes kennenlernen wolle. Schoffeneger war einverstanden – unter der Bedingung, dass Degiorgis bei der täglichen Arbeit half. Die Sache war abgemacht.
Degiorgis fand schnell heraus, dass Schoffenegers Interesse trotz der Mütze weniger dem Bürgerkrieg in Amerika als vielmehr seinen Ureinwohnern gilt. Seit fast 20 Jahren wohnt Schoffeneger in einem Zelt und fertigt vieles selbst – von seinen Mokassins bis zu Jagdbogen, die eine Reichweite von 180 Metern haben. Nur sein Indianeroutfit lässt sich Schoffeneger direkt aus Amerika liefern.
Elmars Cousin heisst Klaus Lantschner. Nach Jahren im Zelt zieht dieser seit Kurzem den Komfort und die Wärme eines kanadischen Blockhauses vor. Mit seiner Kettensäge macht Lantschner indianische Totempfähle, während Ehefrau Egle sich in Schamanismus und indianischenMeditationstechniken übt.
In der Nachbarschaft der Lantschners hat „Major Tom“ ein authentisches Ranchhaus im Westernstil errichtet; selbst eine Fahnenstange und die amerikanische Flagge fehlen nicht. Im Winter dient die Shiloh-Ranch bis zu 60 Pferden als Zufluchtsort.
„Reiten habe ich gelernt, indem ich mir Clint-Eastwood- und Charles-Bronson-Filme angeschaut habe“, behauptet Lantschner. „Ich liebe es, tagelang auf meinem Pferd umherzustreifen und unter freiem Himmel zu schlafen.“
Cowboys und Indianer leben in Eintracht mit den übrigen Dorfbewohnern, die sich längst an die exotische Lebensweise von Elmar Schoffeneger und den Lantschners gewöhnt haben. DerenBegeisterung rührt aus Kindertagen. So glaubt Schoffeneger, der reiten kann, seit er drei Jahre alt war, dass neben Fernsehen und Kino sein Familienumfeld – Schoffenegers Eltern waren Viehzüchter – ihn zum Amerikafan werden liess.
Er sei mit Bonanza und den Karl-May-Verfilmungen gross geworden. Seine Vorliebe für den Schriftsteller aus Radebeul bei Dresden teilt sich Schoffeneger dabei mit so unterschiedlichen Persönlichkeiten wie Albert Einstein und Hermann Hesse. Zu den beliebtesten Charakteren, die May schuf, zählen der gerechtigkeitsliebende Apachenhäuptling Winnetou und der Landvermesser Old Shatterhand, der Winnetou das Leben rettet und später dessen Blutsbruder wird.
Im deutschsprachigen Raum haben die Karl-May-Bücher für ein lang anhaltendes Interesse an der Indianerkultur gesorgt; Westernwochenenden sind auch heute nicht nur bei Kindern populär. Für Schoffeneger und seinen Freunden ist das jedoch nicht genug, sie wollen auch unter der Woche das Lasso schwingen.
Den Cowboylook mit Hut, Karohemd und Stiefeln kultivieren sie seit Teenagertagen. Für Möchtegern-Indianer sind es analog dazu Mokassins, bestickte Lederjacken und Federschmuck. Statt einander zu bekämpfen, reiten „Cowboys und Indianer“ gemeinsam aus, erzählen sich amLagerfeuer Geschichten und rauchenFriedenspfeifen. Und während immer mehr Landwirte der Region ihre Produktion mechanisieren, halten die Wildwestbauern an traditionellen Verfahren fest.
Je mehr Degiorgis Einblick in Schoffenegers Leben nahm, desto grösser wurde seine Faszination. Er lernte nicht nur das Korbflechten, sondern auch, wie Heu gemacht und eine Kuh gemolken wird. „Als ich zum ersten Mal frische Kuhmilch trank, war ich überrascht, wie warm diese war“, erinnert sich Degiorgis.
Als Nächstes will Degiorgis dokumentieren, wie die Alpen-Cowboys und-Indianer sich an den Wechsel der Jahreszeiten anpassen. „Heutzutage leben nur noch wenige Menschen derart im Einklang mit der Natur.“
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