![]() | Maultaschen mit Fleisch-Spinat-Füllung
Maultaschen mit Fleisch-Spinat-Füllung fertig in 1 Std. 15 Min. |
Essen mit gutem Gewissen
Karen Duve lebt mit vielen Tieren auf dem Land in der Nähe von Berlin. Ein Jahr lang hat sie ein Selbstexperiment durchgeführt – alle zwei Monate stellte sie ihre Ernährungsweise um: von „bio“ über vegetarisch und vegan bis zu frutarisch, wobei man nur das von Bäumen und Pflanzen isst, was diese nicht schädigt. Reader’s Digest traf die Erfolgsautorin zum Gespräch.
Reader’s Digest:Vor Kurzem bestätigte eine wissenschaftliche Studie, falsche Ernährung könne bestimmte Hirnregionen schädigen. Fast Food macht also nicht nur dick ...
Karen Duve: (lacht) ... sondern auch dumm?
RD:Offenbar. Waren Sie nach zwölf Monaten gesunder Ernährung klüger?
KD: Nein. Aber ich bin nicht mehr so müde wie früher. Ich fühle mich überraschenderweise fitter, brauche weniger Schlaf und kann mich besser konzentrieren.
RD:Der Ausgangspunkt für Ihr Experiment war ein schlechtes Gewissen.
KD: Ich fühlte einfach ein Unbehagen. Ich hatte mir vorgenommen, ein Buch zu schreiben, in dem ich den Leuten nahebringe, wie wichtig es ist, sich anders, fleischloser, „anständiger“ zu ernähren. Dann stellte ich zu meinem grossen Entsetzen fest, dass alles noch viel, viel schlimmer ist, als ich das je vermutet hätte.
RD:Dann ging es Ihnen nach diesem Jahr gar nicht besser?
KD: Nein, obwohl ich mir das eigentlich erhofft hatte. Ich dachte, ich würde automatisch weniger Fleisch essen, wenn ich mehr darüber nachdenke, oder nur noch Bio-Fleisch. Und dann hätte ich ein gutes Gewissen. Das hat aber nicht funktioniert. Ich habe schnell gemerkt, dass das nicht genug ist. Ich reduzierte auch Milchprodukte, Kleidungsstücke undLederschuhe um 90 Prozent.
RD:Sie haben alle Ledersachen aussortiert?
KD: Ich trage eigentlich nichts mehr aus Leder. Leder ist ja kein reines Naturprodukt, dann würde es nämlich an unseren Füssen verwesen. Sondern es wird heute meist erst zum Lederschuh, wenn man Gifte verwendet. Und somit ist es kein Naturprodukt mehr. Ich bin ganz begeistert, was es für tolle vegane Schuhe gibt, die nicht aus Leder sind, sich aber genauso anfühlen, die weicher sind und atmungsaktiv.
RD:Wie sieht Ihr schlechtes Gewissen heute aus?
KD: Ich kann die Bilder der Massentierhaltung einfach nicht mehr verdrängen. Ich habe mit eigenen Augen die zusammengepferchten Tiere gesehen. Es ist entsetzlich, dass unter der heilen Welt von Familienfesten mit einem guten Braten auf dem Tisch und unter den hellen Supermärkten mit den freundlichen Verkäuferinnen, die Kindern eine Wurstscheibe schenken, dunkle, finstere Folterräume liegen, in denen nicht nur die Bedürfnisse der Tiere ignoriert, sondern in denen diese grausam gequält werden. Und zwar in einem Ausmass, wie ich mir das nie hätte vorstellen können.
RD:Sind Sie ein anstrengender Gast?
KD: Es reicht schon, wenn ich mit am Tisch sitze und kein Fleisch essen will. Das ist für viele schon eine Provokation.
RD:Wie schlägt sich die Ernährungsweise auf Paarbeziehungen nieder?
KD: Ich bin jetzt nicht mit einem Fleischesser zusammen. Wenn ich mich aber frisch verlieben würde, und der andere ässe Fleisch, dann wären die Konflikte wohl programmiert.
RD:Es hat den Vorschlag gegeben,Ernährung als Schulfach einzuführen. Ist das sinnvoll?
KD: Aber ja. Die Starköchin Sarah Wiener hat einmal mit Kindern gekocht. Als die Kinder dann Kaninchen zubereiteten, wurde ihnen erst so richtig bewusst, dass Fleisch nicht am Baum wächst, sondern dass ein totes Tier vor ihnen auf dem Tisch liegt. Manche Mädchen weinten bitterlich. Die Buben übrigens auch.
RD:Lebt das Huhn noch, das Sie aus Massentierhaltung befreit haben?
KD: Oh ja, „Rudi“ lebt noch, so habe ich das Huhn getauft. Es hat sich sehr gut erholt, und sein Bein ist auch wieder zusammengewachsen. Eigentlich würde ich es ja gerne rauswerfen. Rudi wäre sicher sofort bereit, aus dem Meerschweinchenkäfig im Wohnzimmer auszuziehen. Es ist einfach kein ideales Haustier – es ist nicht stubenrein und es redet beim Fernsehen immer dazwischen. Wir wären wohl beide froh.
RD:Über die Schweiz schreiben Sie, dass es das einzig Ihnen bekannte Land sei, das die Würde aller Kreaturen bereits in der Verfassung ausdrücklich schützt.
KD: Stimmt. Ich finde es grossartig, dass die Schweizer mit ihrer Verfassung eine Vordenkerrolle in Sachen Ethik übernommen haben.
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