KRAFT durch SAFT?
PRO
• EINE PORTION OBST
Saft ist zwar kein Ersatz für den Verzehr von Früchten, aber eine bequeme Möglichkeit, zwischendurch eine Extraportion Obst zu sich zu nehmen. Eine kleine Menge Fruchtsaft – 125 Milliliter oder ein halbes Glas – entspricht dabei einer Portion. „Wenn keine Früchte zur Hand sind, ist ein Fruchtjus besser als gar kein Obst“, meint Jennie Brand-Miller, Professorin für Ernährung an der Universität von Sydney, Australien. „Und sie sind auf jeden Fall gesünder als Limonade.“
Alle Experten sind sich einig, dass wir frisches Obst nicht regelmässig durch Fruchtsäfte ersetzen sollten. Saft enthält nicht nur weniger Ballaststoffe als ganze Früchte, sondern in der Regel auch weniger Antioxidantien. „In 170 Millilitern Orangensaft sind nur 49 Prozent der Antioxidantien einer ganzen Orange“, erklärt Dr. Ron Prior, der für das US-Landwirtschaftsministerium den Antioxidantiengehalt von Obst und Gemüse bestimmt. „Dieselbe Menge Heidelbeersaft enthält sogar nur 35 bis 40 Prozent der Antioxidanzien einer 145-Gramm-Portion ganzer Beeren.“
• GUT FÜRS IMMUNSYSTEM
Zur Steigerung der Immunabwehr und zur Vorbeugung von Infekten ist vor allem Granatapfel- oder Cranberrysaft oft die praktischere Methode, das zu sich zu nehmen, was am Obst so gesund ist. Dr. Allan Pantuck, Urologe an der Stanford-Universität,USA, hat festgestellt, dass 250 Milliliter Granatapfelsaft am Tag das Wachstum von Prostatakrebs verlangsamen können. „Im Saft sind oxidationshemmendePolyphenole aus Teilen der Pflanze, die sonst meist nicht verzehrt werden.“
• FRUCHTZUCKER
Wer gern mal etwas Süsses trinkt, ist mit Fruchtsaft gut bedient. Im Vergleich zu nicht kalorienreduzierten Erfrischungs- oder Sportgetränken hat er einen niedrigeren glykämischen Index (GI) von 40 bis 50 gegenüber 70 bis 80. „Glukose wird meist rasch vom Körper aufgenommen, was aber durch saure Lösungen wie Fruchtsäfte verlangsamt werden kann“, sagt Professorin Brand-Miller. „Der hohe Fruchtzuckeranteil von Jus und Obstsäften ist ein Grund für den niedrigen GI. Fruchtzucker wird langsamer aufgenommen und hebt den Blutzuckerspiegel nicht so stark an.“
KONTRA
• ZUCKERANGRIFF
Kinder, die mehr als zwei Gläser Fruchtsaft pro Tag trinken, neigen laut Dr. Andrea Sanigorski von der Deakin-Universität im australischen Melbourne eher zu Fettleibigkeit. „Ganze Früchte enthalten relativ geringe Mengen an Fruchtzucker“, so Dr. Rick Johnson von der Universität von Florida. „Saft ist da problematischer, weil er meist keine Ballaststoffe mehr aufweist. Eine Portion kann den Saft mehrerer Früchte enthalten, sodass die Fruchtzuckerdosis viel höher ist.“
• KARIESFÖRDERND
Fruchtzucker verringert die Härte des Zahnschmelzes um 84 Prozent, sagt Dr. Yan-Fang Ren vom Institut für Mundgesundheit der Universität von Rochester, USA. „Unsere Studie ergab, dass ein Glas Orangensaft amTag nach fünf Tagen zu Substanz-verlusten führte.“ Dr. Yan-Fang empfiehlt, nach dem Jus Wasser zu trinken oder den Mund zu spülen. „Zähneputzen ist nicht ratsam, denndadurch wird der angegriffene Zahnschmelz zusätzlich strapaziert.“ Den Saft zu verdünnen helfe auch nicht: „Dass ändert nichts am Säuregehalt.“
• WECHSELWIRKUNGEN
Saft kann die Wirkung von Arzneimitteln beeinflussen. Grapefruit- und Orangensaft können die Aufnahmevon Antihistaminika, Krebs- oder Herzmitteln einschränken. Bei anderen Medikamenten kann Grapefruitsaft die Wirkung bis zur Schädlichkeit verstärken. Forscher der Universität von Chicago versuchen, diesen Effekt zu nutzen, um Medikamente niedriger zu dosieren. Laut dem Krebsforscher Dr. Ezra Cohen kann Grapefruitsaft die Konzentration mancher Arzneimittel im Blut um dasDrei- bis Fünffache erhöhen. „Wenn mehr Wirkstoffe aufgenommen werden, erwarten wir weniger Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt.“
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