3. Sicherheit zu erleben durch verläss-liche Strukturen und Traditionen

Vor der Präsidentschaftswahl im November 2008 lebten die Obamas in Chicago, und die Samstage waren Tanzstunden und gemeinsamem Pizzaessen mit Mama, ihren Freundinnen und deren Kindern vorbehalten. Die Sommerzeit verbrachten die Mädchen mit Ferienaktivitäten: mal mit Ausflügen, mal mit Motto-Tagen wie dem „Crazy Hair Day“, an dem alle mit verrückten Frisuren herumlaufen.

Dadurch lernen Kinder, was Zeit ist – und wie wertvoll sie ist. Es müssen keine kostspieligen, durchgeplanten Unternehmungen sein. Als die Mädchen noch klein waren und ihr Vater (damals Senator des Bundesstaates Illinois) häufig unterwegs war, gewöhnten Michelle und ihre Töchter es sich an, „Kuschelzeiten“ zu verbringen und miteinander zu reden.

Solche kleinen täglichen Rituale vermitteln Trost. Ein fester, unumstößlicher Zeitpunkt fürs Zubettgehen gibt dem Tag einen verlässlichen Rhythmus, auch wenn die Kinder darüber stöhnen. Die gleiche Wirkung haben Abendmahlzeiten in möglichst vollzähliger Runde – ein Ziel, das leichter zu verwirklichen ist, seit der Vater nur ein Stockwerk tiefer arbeitet.

Familienrituale sind das Fundament für Geborgenheit, besonders in Zeiten großer Veränderungen. Und diese erlebten die Kinder durch den Umzug von Chicago nach Washington, wo sie eine neue Stadt, eine neue Schule und neue Freunde erwarteten. In Chicago hatte Michelles Mutter Marian Robinson, 71, ihre Enkelinnen jeden Tag zur Schule gebracht. Jetzt ist sie mit der Familie zusammen ins Weiße Haus eingezogen, wo sie die Rolle eines „dritten Elternteils“ übernimmt.

4. Geborgenheit zu erfahren im Kreise enger Freunde und Verwandter

Nach der Amtseinführung luden die Obamas 50 alte Freunde und Verwandte zu einer Hauseinweihungsparty ein, die gleichen Leute, auf die sie sich seit Jahren verlassen hatten und die schon immer bei Feiern dabei waren. „Es ist leichter, mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben, wenn die Menschen, mit denen man sich umgibt, einen wirklich gut kennen“, so die First Lady.

Und Dr. Tayloe meint: „Es ist unglaublich wichtig für Kinder, Gespräche mit anderen, gut befreundeten Erwachsenen zu führen, um andere Meinungen und Standpunkte kennenzulernen oder ihnen ihre Gefühle und Probleme anzuvertrauen.“

In Hawaii besuchen die Obama-Töchter ihre indonesisch-amerikanische Tante Maya Soetoro-Ng, die Schwester des Präsidenten, ihren kanadisch-amerikanischen Ehemann Konrad (Sohn malaiisch-chinesischer Eltern) und ihre Cousine Suhaila.

 

5. Regeln und Grenzen zu erfahren – und gelegentliche Ausnahmen

Malia und Sasha wissen, dass ihre Meinung zählt, was aber nicht bedeutet, dass sie in allem gleiches Mitspracherecht haben – und das sollten sie auch gar nicht. „Eltern müssen tun, was sie für richtig halten“, sagt Dr. Alvin Poussaint, Psychologe an der Medizinischen Fakultät der Universität Harvard. „Selbst im Weißen Haus müssen die Mädchen ihre Betten machen und ihre Wecker stellen. Dass sie nach wie vor angehalten werden, Dinge selbst zu tun, ist ein probates Mittel zu verhindern, dass sie in eine Anspruchshaltung hineinwachsen.“

Klare und verlässliche Regeln geben Kindern Strukturen, lehren sie Verantwortlichkeit und helfen ihnen, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Sasha und Malia wissen, dass sie sich im gesamten Weißen Haus bewegen dürfen, aber nur, wenn sie zuerst sagen, wohin sie gehen wollen.

Damit sie lernen, anpassungsfähig zu sein, ist es auch in Ordnung, Kindern in vertretbarem Maße Ausnahmen zu gestatten. Gerade Großeltern gefallen sich in dieser Rolle. Wenn Oma Marian auf sie aufpasst, gehen Sasha und Malia nicht wie üblich um 20.30 Uhr zu Bett, dürfen mehr fernsehen und bekommen einen Nachtisch extra.

Freunde sind auch mit tatkräftiger Hilfe zur Stelle, was besonders willkommen ist, wenn der Partner ein „Wochenendpapa“ ist, wie Michelle ihren Ehemann in den frühen Jahren seiner Karriere beschrieb. Gerade dann braucht der andere Elternteil die Unterstützung zuverlässiger Freunde.

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