Aus dem deutschen und italienischen Fernsehen ist sie nicht mehr wegzudenken: Die Schweizerin Michelle Hunziker blickt mit 34 Jahren bereits auf eine erstaunliche Karriere zurück – aber auch auf persönliche Rückschläge wie ihre gescheiterte Ehe mit dem italienischen Sänger Eros Ramazzotti.

Frage:Die italienische Sängerin Gianna Nannini erlebt mit ihrer Tochter Penelope gerade ein spätes Mutterglück. Was ist besser: ein 54-jähriger Mann, der mit einer 20-Jährigen ausgeht, oder eine 54-jährige Frau, die ein Kind bekommt?

Michelle Hunziker: Ich bin glücklich für Gianna. Wenn sie sich so entschieden hat, dann hat sie die Vor- und Nachteile gegeneinander abge-wogen und die Folgen bedacht. Eines ist sicher: Dieses Kind wird von seiner Mama sehr geliebt werden. Ich habe eine Freundin, deren Mutter 50 war, als sie sie zur Welt brachte. Die Mutter ist heute 102 Jahre alt und in bester Verfassung. Die beiden haben sich sehr gut verstanden. Es ist also nichts Seltsames dabei. Bei einem Mann, der mit einem jungen Mädchen zusammen ist, ist das etwas anderes. Aber ich möchte nicht darüber urteilen, denn es gibt Menschen, bei denen es wirklich Liebe ist.

Frage:Das ist aber nicht immer der Fall.

Hunziker: Das stimmt. Ich kenne einige Männer, die ganz junge Freundinnen haben. Oft sind es Männer, die am Peter-Pan-Syndrom leiden und sich mit einer Lolita wie neu geboren fühlen. Das wirft die Frage auf, ob sie denn keine Partnerin mehr wollen, mit der sie sich auseinandersetzen können. Es ist viel einfacher, mit einer sehr jungen Frau auszugehen, die amüsant ist und Lebenskraft ausstrahlt. Wir sind mit 40 oder 50 in der Menopause. Die Männer sind dann in der Andropause – und in der Krise. Sie fühlen sich alt, sie suchen eine neue Herausforderung, ganz nach dem Motto: Wenn ich jetzt eine 20-Jährige erobere, dann bin ich noch ein richtiger Mann. Sie saugen die Energie der jungen Frau auf, ein bisschen wie Vampire.

Frage:Sind ihnen die erwachsenen Frauen zu anstrengend?

Hunziker: Wir denken zu viel. Mit 20 fordern wir weniger, wir haben noch nicht viel vom Leben verstanden. Mit dem Älterwerden entdecken wir, dass es Kompromisse gibt, die wir nicht eingehen wollen. Wir haben an Selbstachtung gewonnen und suchen den Dialog. Glücklicherweise sind nicht alle Männer so. Es gibt auch viele unter ihnen, die sich auf reifere Frauen einlassen.

Frage:Hatten Sie nie Affären mit älteren Männern?

Hunziker: Der grösste Altersunterschied waren die 14 Jahre zwischen Eros und mir. Aber ich begreife nun, dass an der Sache mit dem tatsächlichen und dem biologischen Alter etwas dran ist. Es gibt alte 30-Jährige und junge 50-Jährige. Alles hängtdavon ab, wie sehr man gelitten hat und wie viel Verantwortung man uns aufgebürdet hat.

Frage:Haben Sie zu viel über Ihre Beziehung gesprochen, als Sie mit Eros zusammen waren?

Hunziker: Nein, denn damals war es anders. Er war der Mann meines Lebens; wenn man sich sicher ist,redet man ganz selbstverständlich darüber. Heute will ich das, was ist, gelassen leben. Ich bin überzeugt, dass mich alle Frauen verstehen, denn es ist so wichtig, wieder Tritt in seinem Leben zu fassen.

Frage:In Ihrer Theatershow „Mi scappa da ridere“ („Schallend lachen“), zeichnen Sie einen Teil Ihres Lebens nach. Als Tänzerinnen haben Sie dafür ganz normale Frauen ausgewählt.

Hunziker: Ja, das war Absicht. Sie sind ganzheitlich betrachtet aber alle sehr schön und haben einen starken Charakter. Ich wollte konsequent sein, denn ich mag keine Stereotypen, es gefällt mir, mit kompetenten Persönlichkeiten zu arbeiten, die jedoch nicht unbedingt das Schönheitsideal verkörpern, das uns das Fernsehen vorgibt.

Frage:Sie scheuen Sie sich auchnicht vor Selbstironie – etwa, wenn Sie sich über Unterwäschewerbung lustig machen, mit der sie berühmt geworden sind.

Hunziker: Warum nicht? Stimmt es denn etwa nicht, dass ich die Tür zum Showgeschäft mit meinem Hintern aufgestossen habe? Ich sage die Wahr-heit und lache darüber. Selbstironie ist eine Form des Überlebens. Über sich selbst zu lachen ist in unserer Familie eine ganz normale Sache.

Frage:Können Sie dann auch mit Ihrer Tochter lachen?

Hunziker: Ich wusste, dass es für sie schwierig sein würde, eine Mutter mit diesem Beruf zu haben. Dass ich als Mutter zu meinen Fehlern gestanden bin, hat ihr geholfen, mehr Selbst-vertrauen zu entwickeln. Heute fühlt sie sich wohl in ihrer Haut. Natürlich hat sie schwierige Momente, aberich verstehe sie: Schliesslich war ich bei ihrer Geburt auch erst 19 Jahre alt.

Frage:Vor einem Jahr haben Sie über die Situation in Italien gesagt: In der Politik braucht es unverdorbene Persönlichkeiten, die Sicherheit vermitteln …

Hunziker: Und da habenwir leider noch nicht den Tief-punkt erreicht! Das Land ist blockiert, den Italienern fehlt es an Orientierung. Aber ich denke, dass sich das politische Bewusstsein langsam wieder zu regen beginnt. Bis jetzt wurde nicht viel diskutiertund schon gar nicht gehandelt. Aber nun scheint mir, dass die Italiener die Nase voll haben und sich vielleicht etwas ändern wird.

Frage:Und wenn Sie in die Politik einsteigen?

Hunziker: Das würde ich nie tun. Die Unterhaltung ist nicht politisch. Aber wenn man mich fragen würde, was indiesem Land zu tun ist, würde ich antworten: Man muss sich sofort um die Bildung kümmern. Man darf nicht die Bildungsbudgets kürzen. Und die Lehrer – ich spreche auch hier von Italien – müssen einen anständigen Lohn bekommen. Sie sind für uns Eltern eine grosse Unterstützung, aber im Gegensatz zu uns ist es nicht ihre Mission.

Frage:Die meisten Lehrkräfte sind Frauen. Können sie ihrer Arbeit weniger gut Anerkennung verschaffen?

Hunziker: Wir wissen alle, wie sehr Frauen in der Vergangenheit ausgenutzt wurden. Jeder von uns ist es klar, dass sie dreimal mehr arbeiten muss, um etwas zu erreichen. Die Diskriminierung findet im Alltag statt, das spüre ich sehr stark. Und mir scheint, dass die Italienerinnen etwas mehr in der Defensive sind als andere Frauen. In der Liebe haben sie Angst davor, ihren Mann zu verlieren, der traditionell sehr untreu ist. In der Politik ist es ähnlich: Jede pflegt ihr eigenes Gärtchen. Sie bekriegen sich gegenseitig, anstatt sich zusammenzutun. Den Männern kommt das gelegen, sie können die Frauen gegeneinander ausspielen, weil diese befürchten,ihre Position zu verlieren. Aber schauen Sie mich an: ein blondes Showgirl aus der Schweiz, das für Doppia Difesa* mit der bekannten Strafverteidigerin Giulia Buongiorno aus Palermo zusammenspannt. Das sind zwei ganz verschiedene Welten, die da zusammengefunden haben.

Frage:Sind Sie für Frauenquoten?

Hunziker: Ja, ich denke schon. Es gibt so viele Frauen, die für die Politik taugen und die Dinge verändern wollen. Aber sie kommen nur bis zu einem bestimmten Punkt. Sie sollten sich gegenseitig ermuntern und mehr Lobbying betreiben.

Frage:Leisten Sie Lobby-Arbeit?

Hunziker: Im Rahmen der Möglich-keiten betreibe ich Lobbying mitDoppia Difesa. Wir sind dabei, einsolides Netzwerk mit Richtern und Ordnungskräften aufzubauen. Wenn Frauen erniedrigt werden, sind es zuerst wir, die Frauen, die sich zusammentun und handeln müssen.

AUS DEM MAGAZIN ANNA, 28.12.2010; BEARBEITUNG: SANDRA WEBER

 

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1 Kommentare

Peter Meier on 02 Oktober 2011 ,09:25

Ich finde, dass bei den Artikeln über Pascale Bruderer und Michelle Hunziker mindestens ein Bild dieser Frauen dazugehört hätte.

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