![]() | Maultaschen mit Fleisch-Spinat-Füllung
Maultaschen mit Fleisch-Spinat-Füllung fertig in 1 Std. 15 Min. |
Gekröntes Haupt mit Köpfchen
Amman, Jordanien. Hoch über der Stadt thront das Königsschloss. Ein Prunkbau aus cremefarbenem Sandstein. Imposante Türme, Kupferkuppeln und gemeisselte Bogen erinnern an einen Palast des alten Orients. Doch der Eindruck täuscht: Der Königspalast von Amman wurde gerade erst erbaut, ist voll modernster Technik, lichtdurchflutet, elegant. Eine steingewordene Verschmelzung von islamischer Tradition und Moderne. Und auch deshalb passt er gut zur jungen Hausherrin, die hier residiert: Rania von Jordanien. Ein Besuch bei der schönsten Königin der Welt.
Uniformierte Ordonnanzen nehmen uns in Empfang, führen uns in einen Saal vor dem Audienzzimmer. Marmor und Mosaiken schmücken Böden und Wände. In kleinen Innenhöfen plätschern Brunnen, blühen Blumen. Seit 17 Jahren ist Rania (arabisch: „schauen“ oder „zufrieden“, „glücklich“) mit König Abdullah II., 48, verheiratet.
Die Tochter eines Arztes und frühere Mitarbeiterin von Apple ist befreundet mit Letizia von Spanien, Carla Bruni, Michelle Obama. Wie diese sieht sich Rania nicht nur als dekoratives Anhängsel ihres Mannes, sondern engagiert sich für Themen, die ihr am Herzen liegen. So kämpft die Jordanierin mit palästinensischen Wurzeln für die Gleichberechtigung der Frau in der muslimischen Welt, gegen Kindesmissbrauch und für bessere Bildung, vor allem von Mädchen.
Dann öffnet sich die Tür, die Königin bittet uns herein! Rania trägt ein schlichtes Seidenkleid und ihre langen braunen Haare offen. Dazu kaum Schmuck und dezentes Make-up. Rania nimmt auf einem Sofa Platz, Rücken kerzengerade, Hände im Schoss verschränkt.
Reader’s Digest: Sie setzen sich vor allem für die Rechte von Frauen und Kindern ein. Warum?
Rania: Meine Mutter und meine Grossmutter waren wichtige Vorbilder für mich. Beide brachten mir bei, dass das Leben einer Frau genauso wertvoll ist wie das eines Mannes. Und dass man für seine Rechte kämpfen muss und nicht darauf warten sollte, dass ein anderer einem diese Rechte gibt.
RD: Wie sehen Sie die Rolle der Frau in der muslimischen Welt?
Rania: Wie die aller anderen Frauen: als Mütter und Ehefrauen, aber auch als Richterinnen, Polizistinnen, Anwältinnen und Ärztinnen. Tatsächlich besetzen hier im Nahen Osten Frauen sämtliche gesellschaftlichen Positionen, von den Universitäten bis hin zu den Flugzeugcockpits, von Sportlerinnen bis zu Komödiantinnen.
RD: Das klingt sehr fortschrittlich.
Rania: Es ist schwierig, eine „muslimische Frau“ zu definieren. Es gibt so viele von uns, aus allen Teilen der Welt. Eigentlich leben die meisten muslimischen Frauen ausserhalb des Mittleren Ostens, und sie sind nicht einmal arabisch. Aber sogar innerhalb meiner Region unterscheidet sich das Leben eines Mädchens aus der Mittelschicht Jordaniens sehr vom Leben eines armen Mädchens in den jemenitischen Bergen oder eines Mädchens in Saudi-Arabien.
RD: Sie haben sich gegen sogenannte Ehrenmorde ausgesprochen, wie es sie auch in Deutschland gibt. Wie können Sie Fundamentalisten überzeugen, dass diese Morde Unrecht sind?
Rania: Nun, überall auf der Welt wird Frauen Gewalt angetan. Es ist eine Tatsache, dass etwa ein Drittel aller Frauen weltweit irgendwann in ihrem Leben Opfer einer Gewalttat wird. Aber ja, meiner Ansicht nach sind Ehrenmorde eindeutig unehrenhaft. Sie brechen sowohl menschliche als auch göttliche Gesetze, denn es ist verboten, zu morden oder das Gesetz selbst in die Hand zu nehmen. Es sind schreckliche Taten, die in negativen und veralteten gesellschaftlichen Traditionen wurzeln, nicht im Islam. Sie sind ein Verrat an dem Vertrauen, das eine Gesellschaft zusammenhält, sie bringen Terror in die Herzen derer, die wir lieben. Ehrenmorde sind inakzeptabel.
RD: Nur, wie kann man sie verhindern?
Rania: Der wichtigste Schritt ist, Familien, Gemeinden und dem ganzen Land bewusst zu machen, wie verheerend diese Verbrechen sind. Wir möchten sie Stück für Stück wie Unkraut aus unserer Gesellschaft entfernen, indem wir den Menschen erklären, welchen Schaden diese Sache anderen zufügt.
RD: Sie engagieren sich für viele wohltätige Zwecke. Haben Sie einen Schwerpunkt?
Rania: Bildung. Bildung ist der beste Weg, damit Menschen ihr Leben auf den gleichen Fundamenten aufbauen können, unabhängig von den Vor- oder Nachteilen, mit denen sie geboren wurden. Bildung ermöglicht es Menschen zu träumen und gibt ihnen die Mittel, diese Träume wahr werden zu lassen. Kurz: Bei Bildung geht es um Gerechtigkeit.
RD: Was inspiriert Sie?
Rania: Wo auch immer ich hinreise und ein Kind sehe, sehe ich die potenzielle Grösse dieses Kindes. Wie können wir wissen, dass es nicht der nächste Nelson Mandela sein wird? Oder die nächste Hillary Clinton, der nächste Obama. Es ist an uns, dafür zu sorgen, dass wir diesen Kindern helfen, damit sie zeigen können, was in ihnen steckt und, am besten geht das durch Bildung. Die Mehrheit von etwa 70 Millionen Kindern weltweit, die nicht zur Schule gehen, sind Mädchen.
Wenn ein Mädchen die Schule besucht, bekommt es Selbstachtung und Selbstvertrauen. Das Mädchen wird sehr viel später heiraten, weniger Kinder zur Welt bringen, die Kindersterblichkeit wird geringer, es sterben weniger Mütter bei der Geburt, die Aidsrate sinkt. Wenn Frauen arbeiten und Geld verdienen, geben sie durchschnittlich 90 Prozent ihres Einkommens für die Familie aus, hauptsächlich für die Gesundheit und Ausbildung ihrer Kinder. Bildet man also eine Frau aus, setzt sich der Nutzen durch die Gesellschaft fort. Daher ist dies die beste Investition, die ein Politiker machen kann.
Es ist traurig, dass es sehr viel Diskriminierung von Mädchen gibt. Wenn alles gut läuft, sind Mädchen die Letzten, die man in die Schule schickt. Wenn es schlecht läuft, sind sie die Ersten, die aus Schulen geholt werden. Dann müssen sie Wasser holen, die Felder bearbeiten, und sie heiraten viel zu jung. Wir müssen viele kulturelle Sichtweisen verändern, die Mädchen benachteiligen.
RD: Fällt es Ihnen schwer, bei Ihrem Kampf für die Rechte von Frauen und Kindern die Balance zu finden zwischen Modernität und Tradition?
Rania: Es geht im Leben doch immer um die richtige Balance, aber Modernität und Traditionen schliessen einander nicht zwangsläufig aus. Zum Beispiel sind unsere Traditionen geprägt von Werten wie Grosszügigkeit, Vergebung, Mitgefühl und Wohltätigkeit. Wir haben schon immer nach diesen Grundsätzen gelebt. In unserer modernen Welt, in der wir mit wirtschaftlichen und humanitären Krisen kämpfen, die weiter für Armut, Krankheit und Konflikte sorgen, brauchen wir diese Werte mehr als je zuvor.
RD: Sprechen Sie über Mode, wenn Sie bei Staatsbesuchen Frauen treffen wie Michelle Obama, Carla Bruni oder Prinzessin Letizia?
Rania: Manchmal reden wir über Mode und Designer, sie sind alle sehr elegante Frauen. Aber viel öfter sprechen wir über unsere Anliegen, ob nun Michelle über Fettleibigkeit, Carla über HIV, oder ich über Bildung.
RD: Gibt es Menschen, die Sie verehren?
Rania: Nelson Mandela ist wahrhaft inspirierend. Ich werde niemals vergessen, wie ich mit Madiba zusammensitzen und sprechen konnte. Noch bevor ein einziges Wort gesagt wurde, konnte man das Mitgefühl und die Güte spüren, die aus seinem Herzen strömten. Er gibt dir durch seinen Mut und seine Würde das Gefühl, dass auch du die Kraft sein kannst, die Gutes tut. Das ist wirklich inspirierend.
RD: Wie sieht ein ganz normaler Tag im Leben einer Königin aus?
Rania: Jeder Tag ist anders – und das ist eines der Dinge, die ich daran liebe! Keine zwei Tage sind gleich, an einem Tag nehme ich vielleicht mit meinem Mann zeremonielle Pflichten wahr, anlässlich des Besuchs anderer Staatsoberhäupter, oder aber ich bereise Jordanien, begegne Menschen, besuche Schulen, bleibe in Verbindung mit dem Leben in unserem Land. Oder aber ich wache in einem anderen Land auf, um eine Rede zu halten, ein Interview zu geben oder für meine Bildungskam-pagne zu arbeiten und Jordanien weiterzubringen.
RD: Wann beginnt Ihr Arbeitstag?
Rania: In dem Moment, in dem meine Kinder am Morgen das Haus verlassen.
RD: Sie gelten als moderne Monarchin, man findet Sie bei Facebook und YouTube. Halten Ihre Kinder Sie für cool?
Rania: Das hoffe ich sehr! Obwohl ich glaube, wenn man versucht, cool zu sein, disqualifiziert man sich automatisch selbst. Meine Kinder haben meine Arbeit auf YouTube, Twitter und Facebook immer unterstützt.
Ich weiss noch, als ich 2008 mein erstes YouTube-Video veröffentlichte, wurden die Zugriffszahlen immer höher und höher. Nach einer Million Zugriffen schrien meine Kinder: „Mama ist zum Virus geworden!“ Ich glaube, dass es meinen Kindern gefällt, wenn ihre Mutter bei den neusten Trends mitmacht. Allerdings warten sie immer noch darauf, dass ihr Vater mitmacht bei Twitter...
RD: Wie vereinbaren Sie Ihre offizielle Rolle mit dem Alltag als vierfache Mutter?
Rania: Nun, ich dachte immer, dass Mutter zu sein und gleichzeitig Karriere zu machen einem Jonglierakt gleichkommt. Du musst dafür sorgen, dass die Bälle in der Luft bleiben und dass keiner herunterfällt.
Heute glaube ich, dass das Leben kein Nullsummenspiel ist. Es ist möglich, eine gute Mutter zu sein und gleichzeitig einem erfüllenden Beruf nachzugehen. Ich glaube sogar, dass sich beide Bereiche gegenseitig befruchten.
RD: Wie meinen Sie das?
Rania: Kinder bewundern starke Mütter und nehmen sie als Vorbilder. Beruflich erfolgreich zu sein ist eine Möglichkeit, um Stärke zu zeigen. Jeder, der selbst Familie hat, weiss auch, dass man zwischen dem morgendlichen Durcheinander am Frühstückstisch und der abendlichen ruhigen Bettzeit eine Menge Fähigkeiten entwickelt, die in der beruflichen Arbeit sehr nützlich sein können, zum Beispiel Krisenmanagement!
RD: Haben Sie genug Zeit für Ihre Kinder?
Rania: Ich versuche, so viel Zeit wie möglich mit meinen Kindern zu verbringen. Ich versuche bei Auslandsreisen nicht zu lange wegzubleiben. Und der Morgen und der Abend sind für meine Kinder reserviert. Wir frühstücken gemeinsam, ich packe ihnen ein Pausenbrot ein und schicke sie in die Schule. Diese Routine ist wichtig, um für Beständigkeit zu sorgen. Ich geniesse es auch, den Tag mit mei-nen Kindern zu beginnen und zu beenden.
Für mich ist es eine besondere Zeit, wenn ich die Kinder ins Bett bringe, sie sind weich und wohlig und sauber, wir sprechen über den Tag und lesen Geschichten vor. Ich empfinde das als eine sehr erdende und stärkende Erfahrung, und ich glaube, ihnen geht es genauso.
RD: Sie feierten im August Ihren 40. Geburtstag. Ein freudiges Ereignis?
Rania: Ich dachte immer, ich würde nervös werden, wenn es auf die 40 zugeht, aber jetzt finde ich es spannend. Zwischen 30 und 40 war mein Leben eine Achterbahnfahrt, denn ich musste lernen, eine Königin zu sein. Inzwischen bin ich in meinem Leben angekommen und habe mehr Selbstbewusstsein als jemals zuvor. Die nächsten zehn Jahre werden wahrscheinlich ein grosses Abenteuer!
AUS: BUNTE NR. 22 (27.5.2010) © 2010 BY BUNTE
|
| ||||||
Kommentar abgeben
| Name* | |
| Email* | |
| Kommentar* | |

Abonnieren Sie jetzt Reader's Digest, das Magazin!


Weitersagen




