Frauen, ab sofort wird nicht mehr geweint: Eure Tränen töten die Liebe! Sie enthalten nämlich chemische Botenstoffe, die bei den Männern die Lust dämpfen und den Testosteronspiegel senken. Dies besagt eine Studie, die Anfang Jahr im Fachmagazin „Science“ erschienen ist.

Die Medien haben die Ergebnisse der Studie von Dr. Noam Sobel und seinen Kollegen vom Weismann Institute of Science in Israel hinlänglich kommentiert. „Die Tränen einer Frau sind ein chemischer Signal, der Nein bedeutet, oder zumindest: nicht jetzt“, sagen die Wissenschaftler.

Betrachtet man diese Reaktion in einem umfassenderen Zusammenhang, könnte sie einen Bezug zur Aggression haben. Denn ein tiefer Testosteronspiegel bei einem Mann wird mit einer schwächeren Aggressivität gleich gesetzt. Diese Hypothese wird als Schlussfolgerung aufgestellt.

Leider haben sich die Autoren der Studie auf die Tränen der Frauen beschränkt. „Das geschah aus der Not heraus“, erklärt Noam Sobel. „Bei den Probanden weinten die Frauen besser.“ Diese Aussage überzeugt heute allerdings nicht mehr: Seit zehn Jahren verstecken die Männer ihre Tränen immer weniger häufig.

Einer der ersten, welche die Schleusen geöffnet haben, war Roger Federer. Und an den Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen beendete Didier Cuche, der Inbegriff der Männlichkeit, unter Tränen sein letztes WM-Rennen.

Doch Tränen sind nicht den Sportlern vorbehalten. Viele Kommentatoren haben den Zustrom der Protestierenden auf dem Tahrir-Platz in Kairo dem bewegenden TV-Interview von Wael Ghonim zugeschrieben. DieTränen des jungen Mannes, der we-gen seiner Teilnahme an einer Facebook-Gruppe ins Gefängnis kam, haben Ägypten gerührt. Und natürlich denkt man auch an den Oscar-gekrönten Schauspieler Colin Firth, der als stotternder George VI. im Film „The King’s Speech“ von seinen Gefühlen übermannt wird.

Männer – aus allen Schichten – lassen ihren Tränen immer öfter freien Lauf. Um männlich zu sein, müssen die Augen nicht mehr trocken bleiben. Die Männer haben sich mit ihren Tränen ausgesöhnt. Manche glauben sogar, dass es weniger Gewalt gäbe, wenn Männer mehr weinen würden.

Im Babyalter weinen Mädchen und Knaben. Aber dann zeigt die Erziehung ihre Wirkung. „Ein Junge weint doch nicht!“, „Hör auf zu Heulen! Oder bist Du ein Weichei?“ Das wird Knaben immer wieder eingetrichtert, um aus ihnen „richtige Männer“ zu machen. Der gesellschaftliche Druck hat dazu geführt, dass Männer ihren Gefühlen keinen Ausdruck verleihen. Doch die Zeiten ändern sich.

Was aber bewirken von Männernvergossene Tränen bei Frauen? Sie lösen vor allem den Wunsch aus, die Männer in die Arme zu nehmen. Könnte es also sein, dass männliche Tränen die Libido der Frau eherstimulieren als hemmen? Da es zu diesem Thema keine wissenschaft-liche Studie gibt, habe ich eine Mini-Umfrage ohne jeglichen repräsenta-tiven Anspruch durchgeführt.

15 Frauen im Alter zwischen 20 und 70 haben auf die Frage geantwortet: „Was empfinden Sie, wenn ein Mann weint?“ Nur gerade 3 von ihnen fühlen sich davon abgestossen. „Ich fühle mich an seiner Stelle unwohl, ich wende den Blick ab“, erklärt eine von ihnen. Sieben der befragten Frauen – die Mehrheit – haben Mitgefühl. „Ich fühle mich ihm dann nahe“, sagt die Älteste der Befragten. Die Jüngste meinte, dass sein Weinen „das Vertrauen in der Beziehung festige“. Fünf Frauen spüren bei einem weinenden Mann eine Art Mutterinstinkt. „Ich möchte ihn in die Arme schliessen und trösten“, erklärt eine junge Mutter. Auch zwei kinderlose Frauen empfinden dasselbe.

Senden die Tränen eines Mannes also andere chemische Signale aus, oder sind es die Frauen, die anders auf denselben chemischen Botenstoff reagieren? Wir forschen weiter!

AUS: LARGEUR.COM VOM 2. MÄRZ 2011 © LARGEUR.COM

 

Bewertung
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?Dann erhöhen Sie hier seine Punktzahl!

Am Beliebtesten in Familie...

  1. Manchmal bin ich nachtragend
  2. Wenn Eltern altern
  3. Das Model im Rollstuhl

Mehr Artikel & Interviews

Kommentar abgeben

Name*
Email*
Kommentar*
Mehr spannende Reportagen und Geschichten mit dem Menschen im Mittelpunkt?
Abonnieren Sie jetzt Reader's Digest, das Magazin!