Fabian Reuter* lernte seine Inga im hippsten Club der Stadt kennen. Sie tanzte die ganze Nacht – fröhlich und ausgelassen. Er stand an der Bar, bewunderte ihre Unbekümmertheit und Lebensfreude – und verliebte sich. Das war vor neun Jahren. Heute, im sechsten Ehejahr, wartet der Bankkaufmann aus Basel jeden Samstagabend wütend darauf, dass seine Frau nach Hause kommt. Seit einem halben Jahr zieht Inga regelmäßig mit ihren Freundinnen los, während er die Kinder hütet. Fabian fühlt sich vernachlässigt, Inga findet seine Vorwürfe ungerecht.

Kommt Ihnen diese Situation bekannt vor? Keine Angst, Sie haben reichlich Gesellschaft! Früher oder später stehen alle Paare vor der Frage: Wie viel Opfer braucht die Liebe? Und der Kampf um Sieg, Kapitulation oder wenigstens einen Kompromiss entbrennt der Erfahrung von Experten zufolge bei den meisten Paaren an den immer gleichen Konflikten. Die gute Nachricht: Kein Beziehungsproblem ohne praxiserprobte Lösung.

1| Wenn der Partner zur Nebensache wird

Hobbys und Freundschaften zu pflegen ist gut und richtig – solange diese nicht wichtiger als die Partnerschaft sind. „Der Schlüssel für eine intakte Beziehung ist die Balance zwischen Geben und Nehmen“, erläutert Thomas Huber-Winter aus Basel. Der Fachpsychologe berät seit 20 Jahren Paare und hilft ihnen, partnerschaftliche Lebensmodelle zu entwickeln. „Erklären Sie, warum Ihnen das Hobby oder die Freunde wichtig sind. Vermitteln Sie dem Partner, dass Sie ihn nicht weniger lieben, auch wenn Sie alleine oder mit Freunden etwas unternehmen möchten.“

Für Inga Reuter beispielsweise bringt der Abend mit den Freundinnen nicht nur Abwechslung in den gleichförmigen Hausfrauen-Alltag. Seit der Geburt ihrer Zwillinge vor sechs Jahren sind die Freundinnen zudem die wichtigsten Kontaktpersonen außerhalb der Familie.

Der Expertenrat: Um den Bedürfnissen beider Partner gerecht zu werden, klären Sie im Gespräch, wie viel Zeit in Hobbys und Freunde fließen soll. Räumen Sie auf jeden Fall der Paarbeziehung genug Raum ein, um den Kontakt zum Partner, seinen Zielen und Gefühlen nicht zu verlieren. Unterstützen Sie den anderen darin, eigene Freundschaften neu zu beleben oder eigene Hobbys zu pflegen. „So finden Sie das Gleichgewicht von persönlicher Freiheit und gemeinsamer Liebe und halten die Partnerschaft lebendig und attraktiv“, sagt Huber-Winter.

2| Wenn die Eifersucht regiert

„Eifersucht kann ein Ansporn sein, sich für die Beziehung ins Zeug zu legen“, sagt die Berliner Psychologin und Verhaltenstherapeutin Sigrid Buck-Horstkotte. Sie berät seit vielen Jahren Paare mit Bindungs- und Trennungsproblemen. Jedoch: „Eifersucht ist kein Beweis für Liebe.“ Wenn die Eifersucht das Leben bestimmt, verbergen sich dahinter tiefgründigere Ursachen als der Gedanke an einen möglichen Rivalen. „Übersteigerte Angst vor dem Verlust der Liebe entsteht, wenn das Selbstwertgefühl völlig vom Partner abhängig gemacht wird“, erklärt Buck-Horstkotte.

Der Expertenrat: Gehen Sie Ihrer Eifersucht auf den Grund. Was genau löst sie aus? Neiden Sie dem Partner vielleicht den Erfolg im Job? Dann suchen Sie Selbstbestätigung in einer beruflichen Herausforderung. Falls Ihr Partner Sie mit Eifersucht überzieht, versichern Sie ihn Ihrer Liebe und Treue, aber sagen Sie ihm auch deutlich, dass die Ursachen für sein Misstrauen bei ihm selbst liegen.

3| Wenn die Familie sich einmischt

Zur Zerreißprobe für die Paarbeziehung können auch die sonntäglichen Kaffeerunden mit der Schwiegermutter werden – besonders wenn diese glaubt, in der jungen Familie mitregieren zu müssen. „Wenn zwei Menschen eine Partnerschaft eingehen, ist das der Beginn einer neuen Beziehung“, erklärt Experte Thomas Huber-Winter. „Die kann sich schlecht entwickeln, wenn eine dritte Person ständig dazwischenfunkt.“

Der Expertenrat: Akzeptieren Sie den „Schatten an seiner Seite“, aber bestimmen Sie selbst, wie Sie Ihre Beziehung zur Schwiegerfamilie gestalten. Haben Sie ein schwieriges Verhältnis, kann die Lösung so aussehen: Zu offiziellen Anlässen wie Geburtstagen und Weihnachten begleiten Sie den Partner oder laden zu sich ein. Die übrigen Treffen finden nur zwischen Mutter und Sohn oder Tochter und bei der Mutter zu Hause statt. Akzeptieren Sie im Gegenzug, dass Ihr Partner Ihre Herkunftsfamilie nicht wie seine eigene liebt.

4| Wenn der Partner nicht richtig zuhört

Beide Partner sprechen dieselbe Sprache – und verstehen sich doch nicht. Wie kann das sein? „Männer neigen dazu, sich auf Fakten zu beziehen. Manchmal geht das so weit, dass sie sich förmlich hinter den vermeintlichen Tatsachen verstecken“, erläutert Robert Heeß aus Belzig in Brandenburg, der als Beziehungscoach seit zehn Jahren Paaren hilft, sich zu verstehen. „Frauen dagegen kommunizieren beziehungsorientiert.“ Das führt zu Missverständnissen.

Das musste auch die Dessauer Sparkassenangestellte Ariane Kessler erleben. Aufgeregt erzählte sie eines Abends ihrem Mann Tim, wie ungerecht ein Kollege sie behandelt hatte. Tim verstand das als Handlungsaufforderung, sprang mitten im Satz auf und hatte den Telefonhörer schon fast in der Hand, um den Kollegen zur Rede zu stellen. Dabei wollte Ariane im Gespräch mit ihrem Mann nur Klarheit über das Vorgefallene gewinnen – und ein wenig getröstet werden.

Der Expertenrat: „Frauen sollten versuchen, ihre Ziele deutlicher zu kommunizieren“, sagt Heeß. Statt subtile Zwischentöne anzuschlagen, geben Sie klare Handlungsanweisungen. Sagen Sie ruhig: „Ich erzähle dir jetzt von meinem Tag. Bitte hör’ einfach nur zu.“ Beide Partner sollten wachsam sein für das, was sie in die Äußerungen des anderen hineininterpretieren – was aber nie gesagt wurde.

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